TV-Kommunikationkultur Sex sells koste es, was es wolle! EROS ohne FLÜGEL LANGEWEILE ohne ERBARMEN. Wo bleibt die Phantasie? Zählen nur noch Triebe und das Geld? 9Live im »Roten Bereich« von 3 bis 6 Uhr morgens Schrittweise Kürzung des Erotikprogramms (???) Betrachtungen einer über Achtzehnjährigen Von Ursula C. Weber Introduction EROTIK ist der heute missverstandene Begriff, die global allgemein am leichtesten herzustellende, jedermann zugänglich gemachte, dem schlichtesten Gemüt verständliche Form, eine gewisse Kommunikation zwischen den Geschlechtern, deren Grenzen man nicht sehr eng zieht, zu erreichen. Man braucht nur Geld. EROTIK ist eine Kunst, der Titel leitet sich her vom griechischen erotikos, was soviel bedeutet wie (...) a) den geistig-seelischen Bereich einbeziehende sinnliche Liebe, Liebes-, Geschlechtsleben: Erotik im Gegensatz zur bloßen Sexualität; b) (verhüll.) Sexualität: die billige E. eines Films. Diese Deutung gibt uns der Duden in seiner 4. Auflage. Begehrlicher SEX ist eine unmittelbare, auf erotische Details und Schnörkel verzichtende zwischenmenschliche Verkehrsform, die auf (nur ihr so erscheinende) umständliche Annäherung in der Werbung um die Gunst des Anderen verzichtet und das unmittelbare Recht der Konsumierung derjenigen Person, mit der Sex vollzogen werden soll, gegen Zahlung eines Geldbetrags sozusagen erwirbt. Es ist hier nur die Rede von Beziehungen zwischen Männern und Frauen. FRAUEN bieten beim Sex zumindest noch den Anblick von sexuell anregenden Kleidungsstücken, - wenn sie in Bordellen arbeiten, auch ein entsprechendes Ambiente. Spricht man von gut angezogenen Frauen, so kann man im Moment auch von gut ausgezogenen Frauen sprechen, der Phantasie sind auch auf den Laufstegen der Haute Couture keine Grenzen gesetzt. Noch nie hat der Exhibitionismus derart verbreitete Form gefunden. MÄNNER hingegen kommen so wie sie gerade sind, - werden auch mal Privates los, und genießen je nach Portefeuille die von vornherein befristeten Freuden einer Beziehung, in der sie umworben werden, selbst nichts bieten müssen, nur genießen. Sie haben keine Verantwortung, sie leben sich aus, sie gehen wieder. Früher waren die Folies Bergeres, das Casino de Paris, das Crazy Horse teurer und nobler Schauplatz einer vollendet inszenierten Erotik. Heutzutage wird in entsprechenden Etablissements Sex demonstriert. Moral will ich hier nicht predigen, nur bewusstseinsfördernd wirken. Dazu sollen Erinnerungen an die Begrifflichkeiten dienen, die auch Gefühle einschließen, Emotionen zeigen. Sentimental zu sein und es zuzugeben, ist heute schier eine Herausforderung. Man hat cool zu sein. Aphrodite mit Eros Venus mit Amor « Tempora mutantur et nos in illos? » Ändern die Zeiten sich und wir mit ihnen? Und wenn, dann in welche Richtung? Der Begriff der EROTIK scheint seine bisher niederste Stufe der Interpretation erreicht zu haben, wenngleich er so begehrt und zitiert ist wie nie. Aber wofür? Er ist herabgewürdigt, und selbst unsere Anhänger der griechischen Philosophie eines Plato, der EROS wunderbar definierte in seinem Dialog Symposion = Gastmahl, wehren sich meines Wissens nicht dagegen. Wer es tut, möge sich bei mir melden. EROS, der griechische Gott der Liebe, Sohn der Liebesgöttin APHRODITE und ihr ständiger Begleiter (im Mythos und in der bildenden Kunst) als geflügelter Knabe, hat heutzutage zumindest seine Flügel wie eine Frau ihre Unschuld verloren, seine Mutter APHRODITE, die Schaumgeborene, ihre Gegenwart als Göttin der Liebe. EROS trägt (im Mythos) einen Köcher mit goldenen Pfeilen und welche in Blei getauchten, mit denen er auf Männer und Frauen zielt. Die goldenen sollen die Liebe wecken, die bleiernen sollen Menschen von den sie Liebenden abwenden. Oftmals vervielfältigt er sich zu einer Schar von Eroten, Symbol für die mannigfaltigen Leidenschaften. Vielleicht wissen junge Menschen heute gar nicht mehr, dass das Wort Aphrodisiakum, von dem sie schon hörten, sich von Aphrodites Namen herleitet. APHRODITES Entsprechung als Göttin im römischen Götterparadies ist VENUS, ihr Sohn ist AMOR, der Mehrzahl der Menschheit dürfte beider Name ein Begriff sein. In der Oper Tannhäuser von Richard Wagner, die sich deutschem Mythos in ihrer Titelgestalt eigentlich widmet, hält sich der pilgernde Tannhäuser im Venusberg bei Venus auf. Ein Planet ist nach Venus benannt, Jungbrunnendarstellungen (siehe Lucas Cranach d.J.) haben in ihrer Mitte wie einen Springbrunnen oft die Venusgöttin als Plastik, zuweilen auch mit ihrem Sohn Amor. Auch ein Bereich des weiblichen Körpers ist mit ihrem Namen geschmückt. NEUN LIVE streicht Erotik aus dem Programm Neun Live verkündet in seiner Pressemitteilung vom 05. Mai 2003, dass der Sender nur noch drei Stunden (von 3.00 bis 6.00 Uhr) Erotikprogramm und -werbung in der Nacht zeigen werde. Allein: Die Nacht geht für viele, - auch für Kinder und vor allem Fahrschüler schon um 4.00 oder 5.00 Uhr zu Ende. Ich für mein Teil schließe nicht aus, dass auch Kinder am so frühen Morgen fernsehen, aber auch Erwachsene wie ich sind schockiert, wenn sie ahnungslos auf der Skala der Fernbedienung morgens vor 6 Uhr auf- und abwandern, auf nüchternen Magen sozusagen. Die Schönen der Nacht, nicht etwa im Nachtgewand oder im Neglige, sondern in spärlichen erotischen Dessous drehen und winden sich in neckischen Posen, die sie für sexuell anmachend halten; sie geben nicht nur ihre Körper, vielmehr auch ihre Telefonnummern preis und locken mit Versprechungen (mehr oder weniger zensiert). Kurz vor 6 Uhr schlägt das Ambiente sozusagen die Kehrseite des Senders um ins Gegenteil: Plötzlich hüpfen biedere Frauen und Männer in Jeans und Shirts wie die Irrsinnigen in ihren Wohnräumen herum, drücken ihre Freuden durch ihr Gehopse aus, sie haben nämlich beim Quizsender 9Live etwas gewonnen, nämlich Geld. Die einen nehmen, die andern bekommen. Die Gegensätze prallen ohne jegliche Moderation aufeinander. In seiner Sendergeschichte gibt 9Live an, seit Juli 2002 werbeunabhängig zu sein Im Juli 2003 positioniert es sich als 1.Quizsender Deutschlands, ab 1. September 2003 wird ein schrittweiser Verzicht auf Erotikprogramm angekündigt, ein 3-Stufenplan bis Ende des Jahres zum weiteren Abbau. Die Vorstandsvorsitzende der EUVIA Media AG und Geschäftsführerin von 9Live, Christiane zu Salm in einer Pressemitteilung vom 5.Mai 2003: NEUN LIVE ist aus der Tutti-Frutti-Phase herausgewachsen. Im Interesse der nachhaltigen Etablierung und Positionierung von NEUN LIVE als Deutschlands 1.Quizsender verzichten wir schrittweise auf Erotikprogramme. Im Zuge des weiteren Ausbaus von NEUN LIVE als Quizsender passen die Inhalte des Nachtprogramms nicht mehr zu unserem Profil. Wie wahr! Auch wenn man glaubt, auf Grund der erwirtschafteten Gewinne seit dem 3.Quartal 2002 auf Werbeerlöse im zweistelligen Millionenbereich verzichten zu können, außerdem das (langfristige) Ziel verfolgen zu können, besonders aufdringliche Werbung zu entschärfen, (...) Verzicht auf Erotikinhalte auch im Internet und Teletext zu üben, - es scheint noch nicht gelungen zu sein. Die Verfasserin dieser Zeilen prangert nicht nur die Tatsache der langweiligen Erotikclips an, die von neuzeitlicher Werbung unberührt sind und wohl auch bleiben, sondern vor allem die unmögliche Sendezeit, die bis in den frühen Morgen reicht und unsere Kinder mit der Halbwelt konfrontiert, die sie noch früh genug kennen lernen werden. Dafür gibt es für mich keinen Pardon! » Seitenanfang
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